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Friedhöfe sind Orte voller Geschichten. Manche Grabsteine tragen einen Spruch oder ein Bild, manche sind wie ein Denkmal gestaltet. Einen ganz besonderen Grabstein findet man in Westerholt, im Landkreis Wittmund. Denn auf diesem Stein ist nicht nur der Name einer ermordeten jungen Frau zu lesen, sondern auch der ihres Mörders.
24. Juli 1878: Eine junge Frau wird im Moor in der Nähe von Westerholt in Ostfriesland ermordet. Ein ganz besonderer Grabstein erinnert an sie – und an ihren Mörder.
Wer an der Ostseite der Westerholter Kirche entlanggeht, der sieht ihn, einen schmalen, fast mannshohen Grabstein. Darauf steht: "Hier ruht die von Thade Fimmen in Unschuld ermordete H. J. Tebben in der Hoffnung zu einem fröhlichen Auferstehen. Geb. den 31. Juli 1858 zu Westerholt, gestorben den 24. Juli 1878."
Hiemke Johanna Tebben, Tochter eines Schusters, wurde kurz vor ihrem 20. Geburtstag ermordet, erzählt Harm Poppen. Er war Bürgermeister der Samtgemeinde Holtriem und Mitglied im Kirchenvorstand Westerholt. Die junge Frau arbeitete im Laden des Vaters. Sie war verlobt und brauchte Geld für ihre Aussteuer. Deshalb ging sie in ihrer Freizeit ins Moor, um Torf zum Trocknen aufzustapeln.
Auch an jenem 24. Juli ging sie ins Moor. Auf dem Rückweg begegnete sie einer Frau, die sie vor einem fremden Mann mit einem Messer warnte. Hiemke soll geantwortet haben, dass sie sich mit ihrer Milchkanne, die sie bei sich hatte, schon zu wehren wisse. Das wusste sie auch, doch es half ihr nicht.
Im Polizeibericht hieß es damals: "Die Ermittlungen ergaben, dass das Mädchen gegen Mittag Opfer eines brutalen Verbrechens wurde. Wie der Obduktionsbericht weiter ausweist, muss sich das Mädchen erbittert gegen den Täter gewehrt haben."
Die Polizei hatte schnell einen Verdächtigen ausgemacht, denn Zeugen hatten ihn im Moor gesehen: Thade Fimmen, ein arbeitsloser Zimmermann aus der Gegend. Er war verschwunden und wurde per Steckbrief gesucht. Die Zeitungen in ganz Ostfriesland berichteten, und die Menschen hatten Angst vor weiteren Taten. Erst im September 1878 ergriffen einige Männer, darunter ein Förster, den Verdächtigen in der Nähe von Aurich. Sie wollten ihn mit Pferd und Wagen zum Gericht bringen. Doch Fimmen floh erneut, so Harm Poppen. "Und dann hat der Förster dem Fimmen noch mit seiner Schrotflinte in den Hintern geschossen."
Thade Fimmen stritt bis zuletzt ab, Hiemke Tebben ermordet zu haben. Doch die Indizien sprachen gegen ihn. Wegen Totschlags wurde er zu 15 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Fimmen starb im Zuchthaus.
Geblieben ist der verwitterte Grabstein. Steinmetz Sven Thater aus Friedeburg restauriert ihn im Auftrag der Kirchengemeinde Westerholt. Selbst für ihn als erfahrenen Steinmetzmeister ist dieser Grabstein etwas Besonderes: "Ist mir noch nie untergekommen. Vor allen Dingen ist er zuerst genannt mit vollem Namen und das Opfer in abgekürzter Weise. Das ist ungewöhnlich." Offenbar wollten die Eltern von Hiemke Tebben, dass diese grausame Tat und der Mörder ihrer Tochter nie vergessen werden. Das ist ihnen gelungen.
Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Januar 2022, 10:20 Uhr.
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